17.06.26 Kopenhagen III

Heute ist mal was mit weniger „durch die Stadt laufen“ geplant: Eine Hafenrundfahrt.

Sabine hat schon vor Tagen „Hey Captain“ als Veranstalter herausgesucht. Sie machen besonders damit Werbung, dass die Rundfahrt ein soziales Event sein soll, bei dem alle Teilnehmer sich unterhalten.

Natürlich sind wir knapp und eilen von der Haltestelle der Metro zum Hafen. Als wir ankommen sehen wir wie gerade eine Gruppe Menschen aufbricht und zu einem „Hey Captain“- Boot herübergeht. Wie stehen etwas auf heißen Kohlen vor der Anmeldung, werden aber von zwei älteren Herren ausgebremst werden, die gerne mit der jugendlichen Dänin plaudern. Als wir dann endlich bedient werden können bietet die Mitarbeiterin sofort an, den Kapitän des Bootes zu fragen, ob er nicht noch auf uns warten will. Sie eilt zum Boot, Sabine eilt zum WC, ich warte. Die Mitarbeiterin kommt zurück und teilt bedauernd mit, dass der Kapitän leider nicht warten konnte (?!?!?), aber demnächst wieder ein Boot fahren würde. Wie lange unsere Fahrt denn ein soll. 2 Stunden antworte ich, da strahlt sie erleichtert, das wäre eh die 1-Stundenfahrt gewesen. Die nächste 2-Stundenfahrt startet in 10 Minuten, wir könnten dort drüben Platz nehmen.

Wir fahren dann mit unserem Kapitän Martin, ein 22 jährigen Jurastudent, der aktuell auf Klausurnoten wartet, und Stacey aus Boston, auch direkt los.

Wir passieren den Militärhafen und besuchen dann die Festung Trekoner, die direkt vor der Hafeneinfahrt liegt (s.u.).
Martin erzählt uns, dass über die Jahrhunderte hinweg die Kopenhagener immer wieder große Landstriche dem Meer wegnahmen und bebauten, um mit dem Wachstum der Stadt mithalten zu können. Moderne Häuser wurden errichtet, zuletzt unter der Planung eines Architekturbüros, dass die besondere Auflage erhielt nachhaltig zu planen und zu bauen, insbesondere keine „Schlafstadt“ zu errichten, sondern einen Ort an dem die Menschen leben wollen. Die Gebäude haben deswegen in ihren Erdgeschossen überwiegend Geschäfte, die größte Sauna Kopenhagens ist dort und selbst das zentrale Parkhaus hat ein Dach mit einem Spielplatz und verschiedenen Sportstätten. Die Wohnungen hier gehören deshalb auch zu den teuersten der Stadt.
Nicht nur neue Gebäude wurden gebaut, sondern auch vorhandene zu Wohnraum umgestaltet. Ein Getreidesilo wurde zum Wohnhochhaus, ein Trockendock für U-Boote zu einem Mehrfamilienhaus.
Eines dieser Neubaugebiete liegt an einem Kanal direkt gegenüber der Freistadt Christiana, Aussteiger und Neureiche wohnen direkt in Sichtweite.

Vom Dach des Opernhauses gibt es jährlich einen Kunstsprungwettbewerb in das Hafenbecken. Auf das saubere Wasser ihres Hafens sind die Kopenhagener sehr stolz, es gibt mehrere Badezonen im Hafenbereich. Martin erzählte uns, dass sie im Sommer nicht durch Kanäle in den Neubausiedlungen fahren können, da dort zu viele (illegale) Schwimmerinnen unterwegs sind.

Die Stadt Kopenhagen plant in dem gesamten oben zu sehenden Bereich bis zur zweiten Linie durchs Wasser (optisch unter den Windrädern, die sind aber noch wesentlich weiter draußen) eine große Landgewinnung (Lynetteholm), die 2070 fertig sein soll. Ab 2035 sollen Häuser gebaut werden können. Die zugewonnene Landfläche wird dann etwa 10% der gesamten Kopenhagener Fläche sein, ca 50000 Menschen (7,5% der gesamten Bevölkerung) werden dort wohnen können. Eine etwa 1km lange Rad- und Fußgängerbrücke soll über die Hafeneinfahrt gebaut werden. Sie wird zwei drehbare Teile haben, damit Hochseeschiffe weiter einfahren können.
Außerdem ist eine neue Metrolinie geplant (M5), die den neuen Stadtteil mit dem Zentrum verbindet.

Das Land für die Festung Trekoner wurde ab 1787 künstlich angelegt, indem mehrere Schiffe versenkt wurden und dann Steine und Erde zugefügt wurde. Auf dem Land wurde dann eine kleine Festung angelegt, die zwischen 1800 und 1900 militärisch genutzt wurde und auch in dem einen oder anderen Krieg Bedeutung gewann. 1932 wurde sie von den Dänen aufgegeben. Die Deutschen nutzten sie nochmal im 2. Weltkrieg, danach war sie verlassen. Inzwischen ist sie wieder öffentlich zugänglich, allerdings streiten sich, wie Martin berichtete, verschiedene Behörden darum, wer zuständig sei.

Bei unserer Rückkehr in den Hafen legen wir an der Kusstreppe an, die wir bestimmungsgemäß nutzen.

Nun wollen wir endlich unser Smørrebrød essen. Martin hat uns einen Tip für ein Restaurant gegeben, das auch auf dem Weg zum Tivoli, dem letzten heutigen Ziel ist. Wir gehen aber, ob der exklusiven Preise, vorbei und finden im Torvehallerne Markt den schon gestern bewunderten Stand mit Verkauf von Smørrebrød.

Leider vergaß ich ein korrektes Bild anzufertigen, sodass nur die weitgehend aufgegessenen Brote zu sehen sind. Dafür hab ich dann ein Bild vom Nachbartisch gemacht.

Weiter geht’s zum Tivoli, vorbei an der angesagtesten Bäckerei Kopenhagens, deren Produkte uns nicht sooo gut schmeckten, wie das gestern bei einem „einfachen“ Bäcker gekaufte Gebäck.

Schließlich erreichen wir den Rathausplatz, an den der Tivoli direkt angrenzt.

Mit müden Füßen und wenig Interesse 25€/Person für den Eintritt auszugeben, bestaunen wir das Gelände von draußen, kaufen uns ein Sixpack (und etwas Obst) und fahren nach Hause.